30. Jul 2020 AndreasKurbad

ZIRKONOXID - JETZT!

Autor: Dr. Andreas Kurbad - :: - Zirkonoxid ist für den In-Office Bereich relativ unattraktiv. Lange Bearbeitungszeiten und Probleme mit der Ästhetik sind die hauptsächliche Ursache. Genau hie hat sich in letzter Zeit aber einiges getan. Es gibt Fortschritte im materialkindlichen Bereich, bei den Bearbeitungsoptionen, bei der Sinterung, bei der Bemalung und dem Nachtrag von Fluoreszenz.

Zirkonoxid ist für den In-Office Bereich relativ unattraktiv. Außer der langen Bearbeitungszeit sind maßgeblich ästhetische Aspekte dafür verantwortlich. Der halbwegs anspruchsvolle Patient erwartet auch im Seitenzahnbereich eine Versorgung, welche zumindest eine Ähnlichkeit zu natürlichen Zähnen zeigt. Es mag Länder geben, bei denen pekuniäre Aspekte im Vordergrund stehen zum Beispiel auf Grund des Fehlens einer Krankenversicherung (USA, Indien). Dann ist unter Umständen schnell, haltbar und billig ein Aspekt.
Mittlerweile sind aber sowohl Fortschritte auf der werkstofftechnischen Seite als auch in der Verfahrenstechnik und Nachbearbeitung erzielt worden, welche die Option Zirkonoxid in ein besseres Licht rücken. Die erreichbaren höheren Festigkeiten machen den Werkstoff selbstverständlich auch für In-Office Anwendungen interessant. Als echte Chairside-Alternative ist Zirkonoxid auch weiterhin nur sehr bedingt einsetzbar, was hauptsächlich den Bearbeitungszeiten geschuldet ist. Bei den speziellen Indikationen, wie zum Beispiel Brücken oder Kronen unter extremen Kaubelastungen (Bruxismus), sind auch Semi-Chairside Lösungen eine gute und hoch interessante Option.
Hier nun einige Ansätze, um die Performance von Zirkonoxid zu verbessern:
1. Materialkundliche Verbesserungen
Zirkonoxid kann transluzenter gemacht werden, indem der übliche Volumenanteil von üblicherweise 3% Yttrium erhöht wird. Dies geht leider mit einer Verringerung der Festigkeit einher. Damit wird der Hauptvorteil des Materials entwertet und die Maßnahme an sich erscheint mehr oder weniger sinnlos. Als Workaround gibt es nun mehrlagige Disks / Blöcke, welche in der unteren Schicht stabil sind und in der oberen Schicht ästhetisch-transluzentes Zirkon besitzen. Mit einem intelligenten Design gelingt es, tragende Elemente, wie zum Beispiel Verbinder, in der unteren Schicht unter zu bringen. Zudem weisen diese Materialien in den meisten Fällen eine mehrschichtige Färbung auf, welche mit bis zu 9 Schichten eine zahnähnliche Optik bestens unterstützen. Auf dem CEREC-Tag werden wir neben den bekannten Produkten wie IPS e.max ZirCAD MT Multi und Kuraray Katana auch das Zirkon der Firma White Peaks vorstellen, welches mit 1100 MPA eine sehr gute Festigkeit mit excellenter Ästhetik verbindet.
2. Verbesserte Bearbeitungsoptionen im weißen Zustand
Nach dem Ausfräsen ist das Werkstück noch im weißen, ungesinterten Zustand. Dies hat den Vorteil, dass hier das Material relativ weich und damit auch gut zu bearbeiten ist. Außerdem erscheinen ausgearbeitete Details nach dem durch die Sinterung bedingten Volumenschwund von mehr als 20 Prozent deutlich filigraner. Die mechanische Bearbeitung ist aber auch eine Herausforderung, weil mit den üblichen Schleifern und Fräsern sehr schnell irreversible Beschädigungen erzeugt werden können. Zunächst müssen die Ansätze der Schleifsupports abgetrennt und eingeebnet werden. Dies geschieht zweckmäßiger Weise mit feinen Hartmetallfräsen. Glättungen und kleinere Optimierungen der Form werden am besten mit abrasiven Gummipolierern vorgenommen. Diese sind nicht so aggressiv wie Fräsen oder Diamantschleifer. Eine neue und hoch interessante weitere Option werden wir auf dem CEREC-Tag vorstellen: Das Schnitzen. Mit speziellen Schnitzinstrumenten (Fa. White Peaks) läßt sich die Oberfläche sehr feinfühlig und intuitiv bearbeiten. Feinste Details können eingearbeitet werden und eröffnen neue Möglichkeiten ganz besonders im ästhetischen Design von Frontzahnrestaurationen.
3. Verlängerte Sinterzeit
Was als Fortschritt gefeiert wurde, stellt sich nun als Nachteil dar: Die zum Teil erhebliche Reduzierung der Sinterzeit von 10 Stunden auf wenige Minuten (DS Speedfire Ofen) bedingt einen erheblichen Verlust an Transluzenz. Der Programat CS 4 als zweiter so genannter Chairside-Ofen mit Zirkon-Fähigkeit kann in den fest von Ivoclar Vivadent eingestellten Programmen bis zu 2,5 Stunden sintern, was in jedem Fall schon einen Fortschritt ist. Da es zusätzlich die Möglichkeit der freien Programmierung gibt, ist es uns nun gelungen die technischen Grenzen des Ofens vollständig auszunutzen. Im Ergebnis ist dabei ein Sinterprogramm herausgekommen, welches eine Sinterzeit von 5:45 Stunden ermöglicht und damit eine gute Voraussetzung für hoch ästhetische Ergebnisse ist. Die genauen Programmdaten erfahren Sie auf dem CEREC-Tag.
4. Glashaltige Malfarben
Die Individualisierung vollformatig gestalteter Restaurationen ist letztlich über keramische Malfarben möglich. Eine dieser Malfarben enthalten Glaspartikel, wodurch im Gegensatz zur klassischen Bemalung eine Schicht entsteht, welche dem Microveneering vergleichbar ist. Dadurch können ästhetische Ergebnisse erzielt werden, die das optische Erscheinungsbild deutlich aufwerten. Wir haben aus dieser speziellen Gruppe die Initial IQ Luster Paste von der Firma GC und die Cerabien ZR FC Paste Stains von Kuraray getestet und für den CEREC Workflow optimiert. Auch hier erfahren Sie nicht nur die Details auf dem CEREC-Tag sondern können direkt an Workshops teilnehmen, um erste Erfahrungen zu sammeln.
5. Fluoreszenz
Zirkonoxid besitzt im Gegensatz zu den natürlichen Zähnen und auch den meisten glaskeramischen Werkstoffen keine Fluoreszenz. Diese wird mittlerweile durch fluoreszierende Malfarben, insbesondere deren Glasurmassen aufgebracht. Mit dem Pinselauftrag ist es aber so eine Sache. Das gelingt selten gleichmäßig. Hier schafft ein fluoreszierendes Glasurspray der Firma VITA Abhilfe (VITA Akzente plus). Hiermit kann nicht nur ein gleichmäßiger Auftrag erreicht, sondern sogar der zahntypische Gradient nachgebildet werden. Wie es genau geht, erfahren Sie ebenfalls im September auf dem CEREC-Tag.

Copra Supreme Symphony (White Peaks) ist ein Beispiel dafür, dass transluzentes Zirkonoxid mit durchgängig 1100 MPA durchaus eine hohe Festigkeit haben kann. Zudem ist es in der Größe 55 verfügbar, was man bei den meisten Anbietern mittlerweile vermisst.

Ein völlig neuer Ansatz zur Bearbeitung der Oberfläche von weißem, noch nicht final gesintertem Zirkonoxid isst das Schaben. Mit Hilfe spezieller Instrumente lassen sich Details erzeugen, welche mit rotierendem Instrumentarium nicht zu verwirklichen gewesen wären.

Neben der Trocken-Bearbeitung ist das lange Sintern bei Zirkonoxid ein Erfolgsrezept. Mittlerweile haben wir ein individuelles Winterprogramm für den Programat CS4 Ofen erstellt, welches eine Winterzeit von mehr als 5 Stunden ermöglicht. Das Ergebnis zeigt vor einem dunklen Hintergrund eine deutliche Steigerung der Transluzenz.

Die Verwendung glashaltiger Malfarben unterscheidet sich erheblich von den konventionellen Systemen und will gelernt sein. Schließlich wird hier eine Schicht aufgetragen. Im Ergebnis kann aber eine deutliche Steigerung der ästhetischen Wirkung erzielt werden.

Mit Hilfe eines fluoreszierendem Glasursprays kann das Manko fehlender Fluoreszenz bei Zirkonoxidrestaurationen kompensiert werden.

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